Willkommen

Wirtschaft

Gesundheit

Abonnieren

Impressum




11.05.2017 – Krypto ist für die Katz - Warum Bitcoins nicht taugen


 
Was ist besser: Staatsgeld oder private Kryptowährungen wie Bitcoin? Unsere Analyse zeigt: Krypto ist für die Katz.
 
Werden Kryptowährungen wie Bitcoin bald schon das Staatsgeld als wichtigstes Tauschmittel ablösen? Gute Frage. Währungen haben zwei Funktionen: Sie sind ein Tauschmittel und sie dienen der Wertaufbewahrung, etwa im Hinblick auf die Pensionierung. Zudem müssen sie diese Funktionen mit einem vernünftigen Kostenaufwand erfüllen. Wer kann das besser: Franken oder Bitcoins?
 
Fangen wir mit der Tauschfunktion an: Gegen Franken kann man alles kaufen. Bitcoins akzeptiert fast niemand. Auf der Schweizer Liste der „Bitcoin Akzeptanzstellen“ finden sich gerade mal 15 Einträge, darunter ein Erotik-Shop und ein Geschenkladen in Einsiedeln. Als der britischen „Guardian“ diesen Sommer einen Reporter mit einem Bitcoin-Wallet los schickte, konnte diese damit fast nur Hehlerware kaufen.
 
Wer Bitcoins entgegennimmt, hat grosse Mühe, diese wieder loszuwerden. Er muss deshalb eine hohe Marge einkalkulieren. Deshalb ist der Tausch von  Bitcoins gegen andere Währungen sehr teuer: Das Finanzportal finder.com hat recherchiert, wie viel der Transfer von 50'000 Dollar von den USA nach China kostet. Ergebnis: 3948 Dollar mit Bitcoin, 1004 Dollar mit einer normalen Banküberweisung und gar nur 761 Dollar mit Forex.
 
Kommt dazu, dass das Bitcoin-System bei weiten nicht in der Lage wäre, die gut 250 Milliarden Franken Zahlungen zu bewältigen,  die das Schweizer Interbanken Clearingsystem SIC täglich abwickelt. Zum Vergleich: Über das Bitcoin-System wechseln weltweit pro Tag Bitcoins im Wert von etwa 4 Milliarden Dollar den Besitzer.
 
Fazit: Als Tauschmittel der Bitcoins ein Zwerg ohne Wachstumshormon.
 
Nun zur Wertaufbewahrung. Der Wert des Bitcoins ist seit der Gründung fast nur gestiegen, allein im letzten Jahr von 700 auf über 7000 Dollar. Das ist gut für die Besitzer, aber für ein Währungssystem ist das galoppierende Deflation. Wäre der Bitcoin unsere Hauptwährung, hätten sich die Schulden real verzehnfacht und wir hätten eine gigantische Pleitewelle. Das ist nicht sehr praktisch.  Kryptowährungen haben offensichtlich keinen vernünftigen Bezug, zu den Waren, die man damit kaufen kann. Was seinen Wert in Jahresfrist verzehnfacht, kann bis zur Pensionierung auch wertlos sein.
 
Die Krypto-Fans halten dem entgegen, dass ihre Währung verbindlich limitiert sei  (der Bitcoin etwa auf 21 Millionen Stück), während Staatwährungen „Fiat-Geld“ seien, das in beliebigen Mengen „aus dem Nichts“ geschöpft werden könne. Inflationäre Entwertung sei deshalb unvermeidbar. Angesichts der von den Staatsbanken betriebenen „Geldschwemme“ der letzten Jahre, hat diese Argumentation offenbar viele Sparer und Spekulanten überzeugt.
 
Das ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit: Die SNB schöpft unser Geld nicht aus dem Nichts. Jeder neue Franken wird mit Devisen hinterlegt. Würde der Franken aufgehoben, könnte die SNB jedem Frankenbesitzer den vollen Gegenwert in Devisen ausbezahlen und darüber hinaus flössen noch 116 Milliarden Franken (Stand Ende September 2017) in die Staatkasse. Kryptowährungen wie  Bitcoins hingegen basieren – wie man in einschlägigen Texten nachlesen kann – bloss auf einer „sozialen Konvention“, sprich auf Vertrauen. Dieses Vertrauen hat bisher (Stand 2. November) einen „Wert“ von 120 Milliarden Dollar geschaffen. Doch die könnten sich in Nichts auflösen, wenn „die Gesellschaft“ das erkennt, was Experten heute schon sagen, nämlich dass die Bitcoin-Technologie rettungslos veraltet ist.
 
Fazit: Kryptowährungen taugen nicht zur Wertaufbewahrung weil sie – nach dem Hype – wertlos sind.
 
Kommen wir nun zum dritten Kriterium, den Kosten. Beim Franken sieht das so aus: Ende September waren rund 540 Milliarden Franken im Umlauf, davon fast 80 Milliarden in Form von Noten, der Rest als Giroguthaben von Banken. Der damit verbundene Aufwand (Löhne, Noten drucken etc.) beläuft sich auf rund 400 Millionen pro Jahr oder 0,7 Promille des Geldumlaufs. Dem Aufwand steht allerdings noch der Ertrag aus den rund 760 Milliarden Franken Devisenbeständen gegenüber. Sieht man von den unvermeidlichen Kursschwankungen ab, läppern sich jährlich gut 13 Milliarden Franken Nettoertrag zusammen. Unter dem Strich kostet der Franken also nicht, sondern bringt pro umlaufenden Franken jährlich gut 2 Rappen ein.
 
Jetzt zum Bitoin. Die kann jeder demokratisch selbst herstellen, indem er am Computer immer schwierigere Aufgaben löst, bis die 21 Millionen Stück „gemünzt“ sind. Das kostet Strom, je  höher die Bitcoin steigt, desto grösser ist der Anreiz, damit teuren Strom einzusetzen – oder den Code zu knacken. Laut Bitcoin Association Switzerland belaufen sich die Kosten der Herstellung auf jährlich 3 Milliarden Dollar. Sehr vorsichtig geschätzt dürften sich die durchschnittlichen Kosten eines Bitcoin auf mindestens 1000 Dollar belaufen. Das ist, als würde die SNB jede einzelne ihrer Noten von einem Künstler herstellen lassen.
 
Fazit: Im Vergleich zum Franken ist der Bitcoin eine geradezu lächerlich teure Währung.
 
 
Dieser Meinung ist offenbar auch Fritz Zurbrügg, der Vizepräsident der Nationalbank. Als er neulich zu Konkurrenz der Kryptowährungen befragt wurde, meinte er lakonisch. „Als Notenbank stellen wir Zahlungsmittel zur Verfügung, die – mit Verlaub – doch einige Vorteile aufweisen.“ Da ist in der Tat etwas dran.

Artikelbezogener Link

Diesen Artikel kann man Kommentieren / Bloggen - 0 aktivierte Einträge

zurück