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18.12.2019 – Hurrah, wir füllen den Rententopf- und bluten die Wirtschaft aus

Bei der Reform der Altersvorsorge wird die Rechnung ohne den Wirt, bzw. die Wirtschaft gemacht. Das wird sich rächen.

VON WERNER VONTOBEL
 
In einem Punkt sind sich alle einig: Die zweite Säule muss umgebaut werden. Weil die Lebenserwartung gestiegen und die Zinsen massiv gesunken sind, schrumpfen die zu erwartenden Renten um gut einen Drittel. Will man dies verhindern, müssen die Ersparnisse entsprechend erhöht werden. Die Swisscanto fordert gar eine „Erhöhung des Sparziels“ um 37%.
 
Deutlich mehr sparen, um das Niveau der Renten zu halten, das ist denn auch das einvernehmliche Ziel aller vorliegenden Reformvorschläge. Zu diesem Zweck sollen die Sparprozente erhöht, der Koordinationsabzug gesenkt, das Eintrittsalter von 25 auf 20 Jahre vorverlegt und das Pensionierungsalter der Frauen um ein Jahr hinausgeschoben werden. Zusätzlich gibt es diverse Vorstösse mit den Ziel, das freiwillige Sparen in der 3. Säule steuerlich noch mehr zu fördern.
 
Die Kaufkraft der Rentner zu erhalten, ist vor allem dann volkwirtschaftliche Pflicht, wenn man gleichzeitig den Ehrgeiz hat, das Pensionierungsalter zu erhöhen.  Denn die Schweiz kann ihre hochproduktiven Arbeitskräfte nur auslasten, wenn auch genügend konsumiert wird. Und diesbezüglich haben wir eh schon Defizite: Trotz Exportüberschüssen von gut 10% des BIP arbeiten wir im Schnitt nur 32 Wochenstunden – und das bei einer Norm von 42 Stunden. Fazit: Wir konsumieren zu wenig. Vor allem die Rentner geben nicht genügend aus. Sie konsumieren pro Kopf rund 14% weniger als die Aktiven. (Aus ökologischer Sicht stellt sich das Problem natürlich anders dar)
 
Tiefere Renten, bzw. geringere Ausgaben der Rentner, wären also ein Problem – das aber noch grösser wird, wenn die jährlich rund 50 Milliarden Franken Beiträge an die 2. Säule um einen Drittel aufstocken. Damit brocken wir und einen Ausfall der privaten Nachfrage von rund 15 Milliarden Franken oder 4 Prozent der private  Nachfrage ein. Schon bei 2 Prozent reden Ökonomen von einem „Nachfrageschock“.
 
Offenbar gehen die Architekten der 2. Säule bei ihren Umbauplänen stillschweigend davon aus, dass wir die geplante Nachfragelücke durch noch mehr Exporte kompensieren können. Doch selbst wenn us das die Handelspartner durchliessen, bliebe die Frage, wie wir die dann jährlich rund 75 Milliarden Franken volkswirtschaftliche Ersparnisse (wovon gut 60% auf die PK entfallen) investieren.
 
Aus volkwirtschaftliche Optik ist die Antwort klar: Nettoersparnisse werden per Definition exportiert. In der Tat finanzieren sich der sowohl der Staat als auch die Schweizer Unternehmen seit Jahrzehnten vollständig selbst. Sie brauchen das Geld der PKs nicht. Das bedeutet, dass sich die Vermögensverwalter der Pensionskassen nicht echt investieren, sondern sich bloss gegenseitig die Aktien und Immobilien abkaufen. Damit haben sie z.B. den Wert der Immobilien seit 2000 um rund 600 Milliarden spekulativ in die Höhe getrieben. Sehr zum Leidwesen der Mieter. Zudem verpulvern sie mit diesen unproduktiven Umtrieben jährlich rund 6 Milliarden Franken Vermögensverwaltungsspesen.
 
Einverstanden: Das ist jetzt etwas polemisch ausgefallen. Man könnte das eine oder andere Argument wohl noch verfeinern. Aber dazu müsste man sich erst einmal mit den volkswirtschaftlichen Aspekten der Rentenreform auseinandersetzen. Da  herrscht bisher Funkstille.

Bei der Reform der Altersvorsorge wird die Rechnung ohne den Wirt, bzw. die Wirtschaft gemacht. Das wird sich rächen.
 
In einem Punkt sind sich alle einig: Die zweite Säule muss umgebaut werden. Weil die Lebenserwartung gestiegen und die Zinsen massiv gesunken sind, schrumpfen die zu erwartenden Renten um gut einen Drittel. Will man dies verhindern, müssen die Ersparnisse entsprechend erhöht werden. Die Swisscanto fordert gar eine „Erhöhung des Sparziels“ um 37%.
 
Deutlich mehr sparen, um das Niveau der Renten zu halten, das ist denn auch das einvernehmliche Ziel aller vorliegenden Reformvorschläge. Zu diesem Zweck sollen die Sparprozente erhöht, der Koordinationsabzug gesenkt, das Eintrittsalter von 25 auf 20 Jahre vorverlegt und das Pensionierungsalter der Frauen um ein Jahr hinausgeschoben werden. Zusätzlich gibt es diverse Vorstösse mit den Ziel, das freiwillige Sparen in der 3. Säule steuerlich noch mehr zu fördern.
 
Die Kaufkraft der Rentner zu erhalten, ist vor allem dann volkwirtschaftliche Pflicht, wenn man gleichzeitig den Ehrgeiz hat, das Pensionierungsalter zu erhöhen.  Denn die Schweiz kann ihre hochproduktiven Arbeitskräfte nur auslasten, wenn auch genügend konsumiert wird. Und diesbezüglich haben wir eh schon Defizite: Trotz Exportüberschüssen von gut 10% des BIP arbeiten wir im Schnitt nur 32 Wochenstunden – und das bei einer Norm von 42 Stunden. Fazit: Wir konsumieren zu wenig. Vor allem die Rentner geben nicht genügend aus. Sie konsumieren pro Kopf rund 14% weniger als die Aktiven. (Aus ökologischer Sicht stellt sich das Problem natürlich anders dar)
 
Tiefere Renten, bzw. geringere Ausgaben der Rentner, wären also ein Problem – das aber noch grösser wird, wenn die jährlich rund 50 Milliarden Franken Beiträge an die 2. Säule um einen Drittel aufstocken. Damit brocken wir und einen Ausfall der privaten Nachfrage von rund 15 Milliarden Franken oder 4 Prozent der private  Nachfrage ein. Schon bei 2 Prozent reden Ökonomen von einem „Nachfrageschock“.
 
Offenbar gehen die Architekten der 2. Säule bei ihren Umbauplänen stillschweigend davon aus, dass wir die geplante Nachfragelücke durch noch mehr Exporte kompensieren können. Doch selbst wenn us das die Handelspartner durchliessen, bliebe die Frage, wie wir die dann jährlich rund 75 Milliarden Franken volkswirtschaftliche Ersparnisse (wovon gut 60% auf die PK entfallen) investieren.
 
Aus volkwirtschaftliche Optik ist die Antwort klar: Nettoersparnisse werden per Definition exportiert. In der Tat finanzieren sich der sowohl der Staat als auch die Schweizer Unternehmen seit Jahrzehnten vollständig selbst. Sie brauchen das Geld der PKs nicht. Das bedeutet, dass sich die Vermögensverwalter der Pensionskassen nicht echt investieren, sondern sich bloss gegenseitig die Aktien und Immobilien abkaufen. Damit haben sie z.B. den Wert der Immobilien seit 2000 um rund 600 Milliarden spekulativ in die Höhe getrieben. Sehr zum Leidwesen der Mieter. Zudem verpulvern sie mit diesen unproduktiven Umtrieben jährlich rund 6 Milliarden Franken Vermögensverwaltungsspesen.
 
Einverstanden: Das ist jetzt etwas polemisch ausgefallen. Man könnte das eine oder andere Argument wohl noch verfeinern. Aber dazu müsste man sich erst einmal mit den volkswirtschaftlichen Aspekten der Rentenreform auseinandersetzen. Da  herrscht bisher Funkstille.

PS. Was Thomas Jordan davon versteht

Im Blick vom 18. Januar hat sich SNB-Präsident Thomas Jordan zu diesem Thema so geäussert: "Die Lebensphase nach der Pensionierung wird aber immer länger. Für diese Zeit müssen die Menschen mehr sparen." Für Jordan ist offenbar selbstverständlich, dass Altersvorsorge nur über Sparen geht. Doch wie eine simple Modellrechnung zeigt, geht das das nicht: Wir arbeiten während 45 Jahren und leben danach im Schnitt noch 22 Jahre, in denen wir noch 80% des bisherigen Einkommens benötigen. Wir müssen also mit 45 Jahren Arbeit 63 Jahre Konsum finanzieren. Zu diesem Zweck müssten sie jährlich 28 % des Einkommens allein für die Altersvorsorge sparen. Doch die Wirtschaft braucht diese Ersparnissse bei weiten nicht. Sie würde sie selbst dann nicht aussschhöpfen können, wenn der Unternehmen und der Staat sämtliche Investitionen (von 22% des BIP) fremdfinanzieren würden. In Wirklichkeit liegt die Eigenfinanzierungsquote nahe bei 100%.








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