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10.07.2021 – Wundermittel? Einige Fragen zu Malnupiravir

Mit der Lancierung des Anti-Covid-Mittels Molnupiravir hat der Pharmakonzern Merck eine beängstigende Machtfülle demonstriert.
 
VON WERNER VONTOBEL
 
 
Zunächst einmal geht es um die Macht gegenüber der Ärzteschaft. Wie bringe ich Ärzte in 22 Ländern dazu, 1500 Risiko-Patienten für die Teilnahme an einem Versuch zu überreden, bei dem 750 Patienten fünf – äusserst kritische - Wochen lang nur ein Placebo erhalten? Das geht nur, wenn erstens die behandelnden Ärzte glauben, – oder von Merck davon überzeugt worden sind - dass es nach bald zwei Jahren immer noch kein vernünftiges Behandlungsprokoll gegen Corona gibt. Und wenn zweitens auch die Patienten nicht schon von alternative Medikamenten gehört haben.
 
Kein einfaches Unternehmen, wenn man bedenkt, dass es in den sozialen Medien fast täglich über Alternativen wie etwa das Schmerzmittel Indometacin. Gemäss einer anfangs Oktober veröffentlichten klinischen Studiemit 205 Teilnehmern erkrankte niemand in der Indometacin-Gruppe schwer (gemessen an der Sauerstoffsättigung), gegen 18,5 Prozent in der Placebo-Gruppe. Wer sich von  bloss einer Studie mit 205 Teilnehmern nicht überzeugen lässt, hat vielleicht schon von Ivermectin gehört. Dazu liegen inzwischen schon 65 klinische Studien mit 47'000 Teilnehmern und einer Erfolgsquote (bei früher Behandlung) von weit über 80 Prozent vor.  Auch hohe Dosen von Vitamin D 3 haben sich in vielen Studien als wirksam erwiesen. 
 
Haben die von Merck rekrutierten Ärzte wirklich die Gewissheit, dass alle möglichen Alternativen weniger nützen als ein Placebo? Nachdem 45  der Placebo-Patienten auf die Intensivstation eingeliefert werden mussten und weitere 8 gestorben sind, wurde die Molnupiravir-Studie aus „ethischen Gründen“ gestoppt. Immerhin. Nachdem rund 762 Patienten je mindestens 29 Tage lang ausgeharrt hatten, stand das Ergebnis fest: 7,3 Prozent gegen 14,1 Prozent. Anders gesagt:  Molnupiravir hatte 48 Prozent der schweren Verläufe verhindert. Immerhin.
 
 
Aber wenn Merck ihr „unerschütterliches Engagement, Leben zu retten“, wirklich ernst meint, hätte man Molnupiravir von Anfang an nicht gegen ein Placebo, sondern gegen das nach Ansicht der behandelnden Ärzte (und deren Patienten) testen müssen. Ob Merck dann immer noch Testsieger geblieben wäre, scheint eher fraglich.
 
Das Merck in der Pressemitteilung feststellen kann, dass mit Malnupiravir „das erste orale antivirale Mittel gegen Covid authorisiert“ würde, ist zweitens ein Beleg für die Macht der Pharma-Industrie gegenüber den (westlichen) Gesundheitsbehörden.  Ihrer starken Lobby ist es (höchstwahrscheinlich) zu verdanken, dass keines der vielen patentfreien potentiellen Anti-Covid-Mittel je zugelassen worden sind. So hat Merck schon im Februar in einer Pressemitteilungvor den Nebenwirkungen des von ihr selbst milliardenfach verkauften Ivermectin gewarnt.
 
Einige dieser alternativen Mittel wie etwa Hydroxychloroquin (u.a. in Frankreich) oder Ivermectin (u.a. in Südafrika) sind sogar verboten oder polizeilich beschlagnahmt worden. Ärzte, die diese Mittel verschrieben haben, haben ihre Zulassung verloren oder sind (wie die Professoren Christian Perronne und Didier Raoult) ihrer Posten enthoben, bzw. degradiert worden. Sky News Australia wurde von Youtube eine Woche lang gesperrt, weil es dazu ermuntert habe, „gegen Corona das Malaria-Mittel Hydroxychloroquin oder das Anti-Wurmmittel Ivermectin einzunehmen.“
 
Richtig ist allerdings auch, dass keine dieser billigen Mittel je mit einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie mit 1500 Teilnehmern in vier Kontinenten getestet worden ist. Die Zulassungsbehörden werden demnächst wohl hunderte Kilo Unterlagen erhalten und sie werden es schwer haben, Argument gegen so viel statistische Signifikanz zu finden. Mit dieser Megastudie hat Merck eine Messlatte gesetzt, welche die Deutungsmacht der Pharma-Multis weiter stärkt.
 
Drittens: Macht gegenüber den Staaten. Gemäss der Pressemitteilung hat Merck mit rund 100 Schwellenländern Gespräche geführt und mit diversen Industrieländern schon Verkaufsverträge abgeschlossen. Gemäss Pressemeldungen haben die USA für 1,2 Milliarden Dollar schon mal 1.7 Millionen Dosen bestellt und auch Australien habe schon eine Vorbestellung aufgegeben.  Das ist erstaunlich: Mit 700 Dollar pro Patient ist Malnupiravir zwar nur etwa halb so teuer, wie der Antikörpercocktail von Regeneron, kostet aber gut zehnmal mehr als zwei Impfdosen von Moderna oder Pfizer. Diese werden von den Regierungen gratis an die Bevölkerung mit dem Argument abgegeben, dass das Risiko eines schweren Verlaufs um rund 90 Prozent verringert wird. Warum sollten dieselben Regierungen in Medikament vertreiben, dass zum zehnfachen Preis nur einen Schutz von 50 Prozent verspricht?
 
Wem also soll Malnupiravir verschrieben werden? Den doppelt Geimpften im Falle eines Impfdurchbruchs? Das wäre ein sehr kleiner Markt und zudem sagt die Studie nichts darüber aus, ob das Mittel auch in diesem speziellen Falle hilft. Den Impfverweigerern? Das macht medizinische vielleicht Sinn, doch dann stellt sich die Frage der Kostenbeteiligung. Warum soll der Staat 700 Dollar zahlen für jemanden, der ein fünffach wirksameres Medikament für 70 Dollar verweigert hat. Dieselbe Frage stellt sich bei den Schnelltests und da setzt sich zunehmend die Praxis durch, dass die Impfverweigerer die Kosten selber berappen sollen. Da müsste Merck seine Preisvorstellung wohl noch einmal überdenken.
 
Schliesslich hat Merck mit der Pressemitteilung auch ihren Einfluss auf die Medien demonstriert. Kaum eine Zeitung oder Fernsehstation, die daraus nicht einen Aufhänger gestrickt hätte. „Wissenschaft wirklich sehr beindruckt“, titelte etwa die Frankfurter Rundschau, „weckt grosse Hoffnungen“, frohlockte der Blick, und Watson beantwortet Fragen zur „neuen Wunderpille“. Die meisten bemühten sich auch, die hohen Kosten klein zu rechnen, etwa im Vergleich zu einem Aufenthalt auf der Intensivstation. Und nur selten fehlte der Hinweis, dass Impfungen dadurch nicht überflüssig werden. Dass die Aktienkurse der Impfstoffhersteller leicht sanken, wurde schon fast als Wermutstropfen empfunden. Das eine Geschäft soll das andere nicht behindern.
 
Epilog: Statt anderthalb Jahre darauf zu warten, dass wir unser Immunsystem mit einem Impfstoff gegen ein spezifisches Virus fit machen können, hätten wir unsere Abwehrkräfte von Anfang an mit den  Mitteln der ganzheitlichen Medizin - mit Vitamin D3, Zink, Meditation, Spaziergängen, heissen Bädern etc. - stärken können. Die sozialen Medien sind voll von solchen Beiträgen, die oft von renommierten Medizinern vorgetragen werden.
 
Die Leitmedien hingegen sangen von Anbeginn an ein anderes Lied – das von den Risikogruppen. Die Senioren, Übergewichtigen, Diabetiker etc. haben nun mal ein schwaches Immunsystem. Deshalb muss man sie sofort schützen indem man sich nicht nur von ihnen fernhält, sondern auch von allen, die uns anstecken können. Und so hat die Menschheit nicht viele 100 Milliarden aufgewendet, um Impfstoffe und Tests zu entwickeln und zu kaufen sondern auch noch ein Mehrfaches davon, um die Opfer der Lockdowns zu entschädigen.
 
Jetzt könnte das Pendel zurückschlagen. Die vielen Impfdurchbrüche und die kurze Wirkungsdauer der Vakzine nähren den Verdacht, dass es nicht reicht, mit Spike-Proteinen die Produktion von Antikörpern anzukurbeln. Gemäss beispielsweise dieser Studiespielen die T-Zellen im Kampf gegen die Viren die weit wichtigere Rolle. So sei etwa ein starker Anstieg der Antikörper-Produktion nach der Impfung oder Ansteckung ein Zeichen einer schwachen Immunität. Besser sei es, wenn stattdessen die T-Zellen stark reagieren.
Auch gemäss diesem (auch für Laien verständlichen) Textsind T-Zellen „die Superstars bei der Bekämpfung von Covid-19“. Sie werden aber nicht durch die Impfung angeregt, sondern durch das Vitamin D: „Damit T-Zellen aktive Mitglieder des Immunsystems werden können, müssen sie sich von
„naiven“ T-Zellen entweder in Killerzellen oder in Helferzellen verwandeln, deren Job es ist, sich an bestimmte Eindringlinge (Pathogene) zu „erinnern“. Und wenn nicht reichlich Vitamin D vorhanden ist, schaffen die T-Zellen diesen entscheidenden Übergang nicht.“
 
Damit wären wir wieder zurück auf Feld 1.
 
 
T-Zellen statt Antikörper
 
 
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2590136220300231

 

 
 
Indometacin
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.07.24.21261007v3
 
 
 
Merck Pressetext
https://www.merck.com/news/merck-and-ridgebacks-investigational-oral-antiviral-molnupiravir-reduced-the-risk-of-hospitalization-or-death-by-approximately-50-percent-compared-to-placebo-for-patients-with-mild-or-moderat/
 
 
Vitamin D und T-Zellen
 
https://tkp.at/2020/11/23/t-zellen-und-das-immunsystem-brauchen-vitamin-d/


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