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23.05.2016 – Nicht das Fleisch, sondern die Fruktose macht die Gicht

Die einschlägigen Ratschläge bei Gicht sind unvollständig bis falsch. Die Harnsäure kommt nicht (nur) von purinhaltigen Lebensmitteln.
 
In den letzten Wochen sind in meinem Bekanntenkreis gleich zwei (teils sehr schmerzhafte) Fälle von Gicht aufgetreten. Beide wurden von den behandelnden Ärzten mit den üblichen Ratschlägen betreut: Erstens purinhaltige Speisen meiden. Zweitens: Akute Entzündung mit Entzündungshemmer beseitigen und Harnsäure medikamentös senken. Das Mittel der Wahl heisst Allopurinol. Auch Perbenecid wird häufig verschrieben. Drittens soll man viel Wasser oder Tee trinken und so die Ausscheidung fördern.
 
Die Theorie dahinter ist die: Bei Abbau von Purinen, entsteht Harnsäure, die dann in den Gelenken schmerzhafte Kristalle bildet. Purine kommen vor allem in Fleisch, Wurstwaren, Fisch, Innereien, Meeresfrüchte, in Milch, fettem Käse und im Alkohol vor. Weil es jedoch erstens schwierig sei, auf all dies Nahrungsmittel zu verzichten und weil Gicht immer auch erblich sei, solle man Medikamente nicht verzichten, schreibt etwa die Rheumaliga Schweiz.
 
Doch diese Theorie ist unvollständig. Der Körper braucht nämlich keine Purine von aussen. Er produziert Harnsäure unter anderem auch aus Fruktose. Siehe hier. Stark vereinfacht formuliert, geht so: Fruktose entzieht den Zellen den Brennstoff ATP. Damit kommen die ganzen Vorgänge des Zellaufbaus ins Stocken, die Zellen geraten in einen entzündlichen Zustand, sterben ab und dabei wird unter anderem Harnsäure gebildet.
 
Harnsäure kommt also von der Fruktose und vom Purin. Dass dessen Anteil nicht entscheidend sein kann, zeigt u.a. die Tatsache, dass sich viele Leute deftig ernähren, ohne unter Gicht zu leiden kommt. Die Ureinwohner Neuseelands, die Maoris, haben sich traditionell mit (purinreichen) Meeresfrüchten ernährt. Gicht trat dort aber erst auf, nach dem Coca-Cola und McDonalds Einzug gehalten hatten. Selbst die Rheumaliga glaubt nicht, dass ihre Ratschläge betreffend purinarme Kost viel nützen. „Eine Gichtdiät ist weniger effektiv, als die Fülle der einschlägigen Ratgeberbücher erwarten lassen“, heisst es da. Die Zusammenhänge zwischen Gicht und Ernährung seien noch wenig erforscht.
 
Gegen  die These vom Purin und für einen ursächlichen Zusammenhang von Gicht und Fruktose spricht auch der Umstand, dass Gicht immer mehr als eine Spielart des metabolischen Syndroms (Bluthochdruck, Übergewicht, gestörter Zuckerstoffwechsel, Diabetes) gesehen wird. Die Frage ist also, wodurch dieses Syndrom verursacht wird, und da ist Fruktose (neben allen anderen raffinierten Kohlehydraten) ein ganz heisser Tipp. Fruktose ist bereits ab 25 Gramm täglich giftig, bzw. überfordert die Leber. Der durchschnittliche Tageskonsum liegt in den USA inzwischen über 100 Gramm. Bei uns werden es nicht viel weniger sein.
 
Eine Studie aus den USA zeigt, dass Menschen, die täglich zwei oder mehr gesüsste Getränke zu sich nehmen, doppelt so oft (97%) an Gicht leiden, wie solche, die nur selten Süssgetränke schlucken. Leider fehlt der Vergleich mit Leuten, die Fruktose und raffinierte Kohlenhydrate generell – und nicht nur in Süssgetränken meiden. Eine gute Übersicht über den Zusammenhang von Fruktose und Gicht, sowie über die generelle Schädlichkeit von Fruktose findet man beim Zentrum der Gesundheit hierund hier.
 
Was kann man sonst noch tun? Wie so oft, scheinen hohe Dosen von Vitamin D (ab 2000 i.E. täglich) dank ihrer entzündungshemmenden und aufbauendden Wirkung auch in diesem Zusammenhang sehr nützlich zu sein. Die meisten der einschlägigen Studien betreffen zwar Arthritis und nicht Gicht, doch da die beiden Krankheitsbilder eh nach verwandt sind, dürfte sich ein Versuch lohnen. Andere Hausmittel gegen Gicht sind, sind wie hierin dieser Reihenfolge aufgezählt: Apfelessig (ein alter Bekannter), Ingwer, Kaiser Natron, Zitronensaft und einige mehr.
 
Garantien gibt es nicht, doch wer nur schon einige Wochen alle Arten von Zucker meidet und morgens sein Zitronen-oder Apfelessigwasser trinkt, wird sich danach deutlich besser fühlen. Schnelle Schmerzfreiheit ist nur mit einer Kombination von chemischen Entzündungshemmer und Harnsäuresenker zu erreichen. Dafür machen sich schon bald die Nebenwirkungen bemerkbar. Dazu gehören neben Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen auch  Nierenentzündungen, Bewegungsstörungen, Schwindel und die Gliederschmerzen, die man eigentlich vermeiden wollte.
 
 
 
 
 
 


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