Willkommen

Wirtschaft

Gesundheit

Abonnieren

Impressum




12.06.2017 – Hilft diese Diät gegen Krebs?

Die Idee ist bald 100 Jahre alt. Jetzt wird sie erstmals in einem türkischen Universitätsspital im grösseren Stil erfolgreich umgesetzt. Wird das Beispiel Schule machen?

Ab 2010 hat das Team von Professor Bulent Berkada von der Onkologischen Abteilung des Universitätsspitals von Istanbul ein neues Verfahren zur Krebstherapie entwickelt. Es ist allerdings vorerst bloss in fortgeschrittenen Fällen zugelassen, bzw. für Patienten, die zu schwach sind, um die normale Chemotherapie zu ertragen. Dr. Abdul Kadir Slocum vom ChemoThermia Oncology Center in Istanbul hat die Methode und deren (spektakulären) Erfolge in Interview mit Joseph Mercola offen gelegt (hier).

Lebensqualität deutlich besser

So wurden zwischen 2011 und 2015 insgesamt 33 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt, davon 27 im 4. (finalen) Stadium mit Metastasen. Sie hatten bei Therapiebeginn eine mittlere Lebenserwartung von bloss 6,2 Monaten. Als die Studie 2016 publiziert wurde, hatten die Patienten im Schnitt schon 20 Monate überlebt und 54 Prozent waren auch Anfang März 2017 noch am Leben. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besonders aggressiv und gilt als unheilbar bzw. als Fall für Wunderheilungen.

Im gleichen Zeitraum wurden 44 Patienten mit Lungenkrebs ebenfalls im 4. Stadium behandelt. Sie hatten mit der üblichen Chemotherapie eine Lebenserwartung von 6 bis 11 Monaten. Beim Abschluss der Studie hatten die Patienten im Schnitt 43,4 Monate überlebt. Nicht alle werden geheilt, aber die Lebensqualität ist deutlich besser als bei der üblichen Chemotherapie und wenn die Kur anschlägt, geht der Tumor meist schon innerhalb von drei Monaten deutlich zurück. Auch in sehr schwierigen Fällen (etwa bei einem 81-Jährigen oder bei schwer Drogenabhängigen ist Heilung möglich.

 
 
 
Mehr Information
 
 
 
 
 

 

 

Warum Krebs Krebs heisst

Bei Krebs rufen fehlgesteuerte Gene bösartiges Zellwachstum hervor. Die Krankheit hat ihren Namen höchstwahrscheinlich vom griechischen Gelehrten Hippokrates (460 bis ca. 370 v. Chr.). Der oft als «Vater der Medizin» bezeichnete Arzt stellte bei der Behandlung eines Brustgeschwürs eine Ähnlichkeit mit den Krebsbeinen fest – wobei er ausdrücklich den Taschenkrebs meinte, wie ihn Professor Thomas Cerny hier in den Händen hält. Die Krabbenart kommt vor allem im Ostatlantik und der Nordsee vor. Später sah der griechische Gelehrte Galenos (129 bis ca 200 n. Chr.) Ähnlichkeiten mit Krebsen: «An der Brust sahen wir häufig Tumore, die der Gestalt eines Krebses sehr glichen.»

 

Viel Fett, wenig Kohlenhydrate

Das Protokoll sieht so aus: Zunächst wird der Patient auf eine ketogene Diät gesetzt (viel Fett, sehr wenig Kohlenhydrate), durch Glykolyse-Inhibitoren und durch Insulin wird der Blutzucker weiter gesenkt, was die Krebszellen schwächt. Der Patient wird also in einer ständigen leichten Unterzuckerung gehalten. Diese wird vor der Chemotherapie durch 14 Stunden Fasten noch verstärkt. Dann wird die niedrigste zugelassene Dosis Chemotherapie angewandt. Diese wird durch Wärmetherapie, Sauerstoffkammer, hoch dosiertes, intravenöses Vitamin C bis zu 50 Gramm pro Tag, Dimethylsulfid (DMSO) und je nach Bedarf auch durch andere entzündungshemmende Zusatzstoffe unterstützt.

 

 

Ginge es ohne Chemotherapie auch? Oder vielleicht sogar besser, weil dann das Immunsystem nicht gleichzeitig aufgebaut und geschwächt würde? Slocum weicht dieser Frage aus. Er weist lediglich darauf hin, dass die standesrechtlichen Regeln auch in der Türkei eine Chemotherapie zwingend vorsehen. Je nach Zustand des Patienten kann jedoch die Dosierung – und damit die Nebenwirkungen – reduziert werden. Das Team von Professor Berkada hat diesen juristischen Spielraum optimal ausgereizt. In den USA wäre das nicht möglich gewesen. Deswegen reisen viele Patienten aus den USA und anderen Ländern in die Türkei.

Krebszellen sterben ab

Die Grundidee dieser Therapie geht auf den deutschen Biochemiker und Arzt Otto Warburg zurück. Er entdeckte, dass Krebszellen einen anderen Stoffwechsel haben und wurde dafür 1931 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Fehlen die Kohlenhydrate und damit die Glukose, fängt die Leber an, in ausreichenden Mengen aus Fetten Ketonkörper zu produzieren, die in den normalen Zellen die Glukose ersetzt. Krebszellen können jedoch mit Ketonkörpern nichts anfangen. Deshalb werden sie geschwächt und sterben ab.

Warburg vertrat deshalb die Meinung, dass Krebs eine Krankheit des Stoffwechsels und nicht ein Defekt der Gene, bzw. der DNA sei. Seine These geriet in Vergessenheit, wurde aber vom Zellbiologen Professor Thomas Seyfried neu belegt. (Siehe hier). Seyfried empfahl den Ärzten folgendes Behandlungsschema: Drei Tage fasten, dann maximal 12 Gramm Kohlehydrate und 0,8 bis1.2 Gramm Eiweiss pro Kilo Körpergewicht und Tag. Damit soll eine therapeutische Zone von 70 bis 80 mg/dl Blutzucker erreicht werden. Solcum und Berkada gehen jetzt bis auf 50 bis 60 Milligramm herunter. (Achtung: Man darf die ketogene Diät nicht zu lange durchziehen).

Deutlich billiger

Das Behandlungsprotokoll von Berkada bzw. Seyfried hat auch den Vorteil, deutlich billiger zu sein. 2015 wurden in den USA 15 neue Krebsmedikamente zugelassen, die alle mindestens 120'000 Dollar pro Behandlung kosten, sehr unangenehme Nebenwirkungen haben und das Leben der Patienten oft nur um wenige Monate oder Wochen verlängern. Berkadas Therapie (Sauerstoff, Vitamin C, Insulin etc.) kostet nur ein paar 1000 Dollar. Ob Chemotherapie noch nötig sein wird, ist eine offene Frage. Klar ist jedenfalls, dass auch diese Kosten dank der niedrigen Dosierung deutlich reduziert werden können.

Wie geht es weiter? Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Krebs eine Stoffwechselkrankheit ist, die man mit einer (ketogenen) Diät besser behandeln kann, als mit Chemotherapie, steht ein 110 Milliarden-Dollar-Markt auf der Kippe. Doch die Pharma-Industrie muss sich noch keine grossen Sorgen machen. Die Ergebnisse von Berkada und Slocum sind eindrücklich, aber es handelt sich bloss um gut dokumentierte Einzelfälle und nicht um klinische Studien mit Kontrollgruppe und tausenden von Patienten, die für eine Zulassung nötig sind. Andererseits ist es nicht verboten, das Protokoll von Berkada oder Teile davon vorbeugend, begleitend oder zur Nachbehandlung anzuwenden. Die einfachste, auch für Laien leicht anzuwendende Variante ist das intermittierende Fasten – öfter mal oder regelmässig das Frühstück oder das Nachtessen ausfallen lassen und mindestens 14 Stunden nichts essen.




Artikelbezogener Link

Diesen Artikel kann man Kommentieren / Bloggen - 0 aktivierte Einträge

zurück