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10.07.2017 – Methadon und Krebs - Hilfe ja, Heilung Fragezeichen

Ist Methadon ein Wundermittel gegen Krebs? Dafür gibt es zwar keinen klinischen Beweis, aber viele ernsthafte Hinweise.

ARD hat darüber berichtet, Stern TV auch und seither läuft das Thema auf den sozialen Medien heiss: Kann es sein, dass Methadon für ein paar Franken pro Monat Krebs viel effizienter bekämpft als die zehntausende von Franken teuren Chemotherapien? Zunächst, was spricht für Methadon? Dieses Opioid wird seit Jahrzehnten zur Drogenersatz-Therapie verwendet und – einer rund zehnfach niedrigeren Dosierung - auch als Schmerzmitteln. Im Hospiz Mutter Teresa in Iserloh werden auch die Schmerzen von Krebspatienten in Endstadium mit Methadon statt mit den üblichen Opiaten gelindert. Der Leiter der Instituts Dr. Hans-Jörg Hilscher hat im Verlaufe von 15 Jahre über 3000 Krebspatienten mit Methadon behandelt und festgestellt, dass seine Patienten viel länger und vor allem besser lebten als die in vergleichbaren Instituten.

Krebszellen sterben ab

Seit einigen Jahren arbeitet Hielscher mit der Ulmer Chemikerin Dr. Claudia Friesen zusammen. Sie entdeckte 2007 zufällig, dass Methadon im Reagenzglas Krebszellen absterben lässt. Inzwischen hat Frau Friesen Daten von über 350 Krebspatienten, die ohne Ausnahme positiv auf Methadon angesprochen haben. ARD und Stern TV haben einige dieser Fälle ausführlich dokumentiert. Die Besserung tritt meist schon nach wenigen Tagen ein. Todkranke Menschen wirken in kurzer Zeit wieder sehr fit. Auch die vorher-nachher Röntgenbilder sind eindrücklich.

Sind das Zufallsergebnisse? Was spricht gegen Methadon? Das Tagblatt der Stadt Zürich hat dazu Michael Weller (54), Direktor der Klinik für Neurologie am Unispital befragt. Er glaubt nicht, dass Frau Friesen eine weltbewegende Entdeckung gemacht habe. «Dafür wurden noch zu wenige ernsthafte Versuche unternommen, die bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse in einer klinischen Studie zu untermauern.» Ähnliche Aussagen sind auch auf ARD und Stern TV von anderen Schulmedizinern zu hören. Diese weisen zum Teil auf die angeblich «schwerwiegenden» Nebenwirkungen hin.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Teurer Zulassungs-Prozess

Weller hat insofern Recht, als es noch keine überzeugende Erklärung für die Wirkung von Methadon gibt. Doch das gilt auch für viele andere Medis. Richtig ist auch, dass ein neues Medikament nur als wirksam gilt und zugelassen werden kann, wenn es in prospektiven klinischen Doppelblindstudien besser abgeschnitten hat als die bisher zugelassenen Studien. Retrospektive Studien, wie die Auswertung der 3500 Patientendaten von Dr. Hilscher erfüllen diese Anforderung nicht. Doch dieser ganze Zulassungsprozess ist so teuer, dass ihn sich praktisch nur die Pharma-Multis leisten können. Und die haben natürlich kein Interesse daran, Medikamente aus dem Markt zu kippen, die ihnen Milliarden einbringen. Doch könnte da nicht ein staatlich finanziertes Universitätsspital einspringen?

Genau diese Frage hat Tagblatt Michael Weller gestellt. Die ausweichende Antwort: «Die Universität Zürich verfügt selbst nicht über Mittel zur Durchführung von klinischen Studien. Wenn Zürich aber zur Teilnahme an einer gut geplanten klinischen Studie zu Methadon eingeladen würde, würden wir das sicher in Erwägung ziehen.» Das kann also noch lange dauern.

Chemo mit Methadon

Dennoch müssen Patienten nicht ewig warten. Bereits heute kann jeder normale Arzt seinen Patienten Methadon, etwa an Stelle von Opiaten - verschreiben. Und jeder Patient kann seinen Arzt oder Ärztin danach fragen. BLICK sind auch schon einige Fälle bekannt, in denen es genau so gelaufen ist. Für Ärzte und Patienten ist das Risiko gering, denn Methadon hat in den für die Schmerztherapie üblichen Dosierungen keine nennenswerten Nebenwirkungen. Das bestätigt auch Dr. Hilscher, der damit zehntausendfache Erfahrung hat.

Für Onkologen ist die Sache etwas schwieriger: So lange Methadon nicht offiziell gegen Krebs zugelassen ist, müssen sie ihre Patienten mit der üblichen Chemotherapie behandeln. Sie können allerdings zusätzlich Methadon verschreiben und darauf hoffen, dass dies die Behandlung deutlich verkürzt. Das ist auch der Grund dafür, dass es bisher noch kaum Hinweise darauf gibt, dass Methadon auch als Solo-Präparat wirkt. Es ist bisher nur an Patienten im fortgeschrittenen Stadium getestet worden.



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